Das Geheimnis der Eisblumen by Mona Vaylen | Book Review

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Das Geheimnis der Eisblumen by Mona Vaylen

Series: Die Chroniken von Aerethylion #1

Published by Selbstverlag (Amazon KDP) on August 1, 2026

Genres: Dark Fantasy, Fantasy

Pages: 555

Format: Paperback

Source: Author

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3 / 5
Heat Level
0 / 5

Das Geheimnis der Eisblumen ist eine magische Fantasygeschichte über Mut, innere Stärke und die Kraft, den eigenen Weg zu gehen. In der Welt Aerethylion, in dem Licht und Schatten unaufhörlich miteinander ringen, entdeckt die junge Prinzessin, dass ihr Schicksal tief mit einem uralten Geheimnis verbunden ist. Als die Eisblumen zu blühen beginnen, erwacht eine Macht, die lange verborgen war, und mit ihr eine Wahrheit, die alles verändern kann.

Handlung (spoilerfrei)

Aerethylion ist in zwei Hälften geteilt, und das Buch macht früh klar, dass es mit dieser Teilung etwas vorhat. Im Süden liegt das Königreich RoseCrest mit seinen Rosengärten, einem Königspaar und ihrer Tochter Eyla, die die Stimmen der Natur hört. Über ihrer Wiege hat ein weißer Drache einen Eid geschworen, und ein weißer Hirsch namens Wolapi und ein junger Löwe namens Kinga weichen ihr kaum von der Seite. Im hohen Norden wächst Kiryn in Wynterfall auf, bei seiner Großmutter Ishia, in einer kleinen Hütte am Waldrand. Der Frost biegt sich um ihn, als würde er ihn kennen. Zwei junge Menschen, zwei Welten, und das Buch lässt keinen Zweifel daran, dass die beiden irgendwann aufeinander zugehen werden.

Dazwischen steht der Zauberturm Glimmerhold. Dort forscht Eylas Tante Morgana unter dem alten Meister Duncan Natas an Karten, Prophezeiungen und einem Kreis, der sich nie ganz schließen will. Und hinter allem sickert etwas Dunkles durch Risse in der Welt, ein Flüstern, das Namen kennt, die noch niemand ausgesprochen hat.

Ich bin mit der Erwartung eines klassischen Auserwählten-Märchens eingestiegen, mit Prophezeiungen in Reimen, einem Drachen und einer Weltkarte gleich vorn im Buch, und genau das habe ich bekommen. Die Zutaten mag ich. Die erste Hälfte lässt sich allerdings sehr viel Zeit. Ich hatte nach den ersten Kapiteln das Gefühl, dass fast nur angekündigt wird, was passieren könnte, und dass die Figuren ständig auf etwas warten, das nie ganz eintrifft. Danach zieht das Tempo an, und die zweite Hälfte folgt einer Reihe von Prüfungen, die Kiryn und Eyla auf ihren getrennten Wegen bestehen müssen. Das gibt dem Buch Bewegung. Es macht den Rhythmus aber auch ziemlich vorhersehbar, dazu weiter unten mehr.

Der Einstieg selbst ist ruhig und märchenhaft. Das Buch beginnt mit einem Prolog, in dem eine Frau mit einem Baby durch den Schnee flüchtet, und springt danach mehrfach durch die Jahre, damit man Eyla und Kiryn als Kinder, als Jugendliche und als junge Erwachsene kennenlernt. Sieben Kapitel tragen Titel wie „Pfade der Prüfungen“ oder „Das Erwachen von RoseCrest“, und so liest sich die Geschichte fast wie ein Sagenbuch, das in Kapitel eingeteilt wurde. Mir hat gefallen, dass man sofort versteht, wo man ist. Wer High Fantasy mag, fühlt sich nach drei Seiten zu Hause.

Am Ende des Bandes steht eine Vorschau auf Band 2, die ein neues Kapitel der Welt öffnet.

Charakterentwicklung

Am meisten hat mich Morgana beschäftigt, und das überrascht mich selbst ein bisschen. Sie ist die einzige Figur, die wirklich etwas will, das sie sich selbst nicht eingesteht. Ihr Ehrgeiz ist größer als ihre Vorsicht, und ihre Neugier hat keinen Boden. Dass ihr Weg jedes Mal etwas kostet, hält das Buch konsequent durch, und ich fand es spannend zuzusehen, wie sie Stück für Stück etwas hergibt, das sie nicht zurückbekommt. Sie hat auch das, was den meisten anderen fehlt: eine eigene Stimme. Ihre Gedanken klingen nach ihr, nicht nach der Erzählerin.

Eyla und Kiryn sind sympathisch, aber ich hätte sie nicht auseinanderhalten können, wenn man ihre Namen aus den Dialogen gestrichen hätte. Eyla ist sanft, begabt, mutig, wenn es sein muss. Kiryn ist freundlich, bescheiden, treu. Beide werden fast ausschließlich über Zusammenfassungen eingeführt, mit Sätzen wie „sie war ein Kind der Sonne“, statt dass man sie in einer kleinen, konkreten Szene kennenlernt. Die Verbindung zwischen den beiden wird früh angekündigt und trägt das ganze Buch, aber sie entsteht mehr über Behauptung als über gemeinsame Momente. Ich hätte gern gesehen, wie sie sich nerven, necken oder missverstehen, bevor das Schicksal sie zusammenruft.

Dabei hat Kiryn kleine Momente, die ihn sofort sympathisch machen. Als Kind heilt er einen verletzten Vogel und einen jungen Fuchs, ohne dass jemand es ihm beigebracht hätte, und im Dorf nimmt man ihn längst selbstverständlich auf, weil er überall mit anpackt. Ishia, seine Großmutter, ist die Ruhe in Person, eine Frau mit einem Kamin, einem Kräutergarten und mehr Geheimnissen, als sie je ausspricht. Ihre Szenen mit Kiryn haben Wärme, und sie sind für mich die wenigen Stellen, an denen eine Beziehung wirklich auf der Seite entsteht und nicht erklärt wird.

Bei den Begleitern wird es besser. Kinga, der Löwe, hat tatsächlich Humor, einen trockenen, leicht gereizten, der in diesem feierlichen Ton jedes Mal eine kleine Erleichterung ist. Eine seiner ersten Bemerkungen, dass die Kronen mancher Leute enger geschmiedet sind als ihre Worte, ist mir hängen geblieben. Duncan Natas hat eine müde, wärmere Autorität als der übliche Zaubermeister. Er schimpft nicht, er sorgt sich, und man merkt ihm an, dass er ahnt, was kommt, und es trotzdem nicht ganz glauben will. Die Eule Rajak ist das schlechte Gewissen ihrer Besitzerin, ein Vogel mit Haltung, der warnt, ohne zu belehren. Wolapi bleibt feierlich, der Rest des Casts gehört eher zur Kulisse.

Ein Wort zum Dunklen Herrscher: Er bleibt über weite Strecken eine Silhouette, die im Hintergrund droht. Seine Szenen sind klarer als die frühen Riss-Kapitel, aber er erklärt seine Pläne meist laut, und so verliert die Bedrohung etwas von ihrer Wirkung. Ich hätte mir gewünscht, dass er mehr zeigt und weniger sagt.

Themen

Das offensichtlichste Thema ist der Gegensatz von Licht und Schatten, und das Buch macht keinen Hehl daraus. Interessanter fand ich, wie sehr es sich um Namen dreht. Prophezeiungen drohen, wenn ein Name fällt, ein Flüstern kennt einen Namen, den man selbst noch nicht kennt, und mehrere Figuren müssen sich entscheiden, wer sie sind, bevor andere es für sie tun. Dass Namen etwas festlegen oder befreien können, zieht sich durch die ganze Geschichte und gibt ihr ein wiedererkennbares Muster.

Dazu kommt der Preis. Fast jede Form von Macht kostet hier etwas, Jugend, Zeit, Sicherheit, Freundschaft, und das Wort „Preis“ fällt so oft, dass man es irgendwann mitzählt. Schon früh taucht ein Trank auf, der Jugend verspricht, und seine Zutatenliste allein verrät, dass er nicht umsonst zu haben ist. Solche Stellen zeigen, wie das Thema funktionieren könnte. Es ist gut gewählt, weil es die Figuren zu echten Entscheidungen zwingt. In der Ausführung nutzt es sich ab, weil es ständig ausgesprochen wird, statt dass man es in den Folgen spürt.

Als drittes liegt unter allem die Frage, ob man sich einem Schicksal beugt oder es sich zu eigen macht. Die Antwort, die das Buch gibt, ist fast zu eindeutig, aber ich mochte, dass hier niemand ohne Angst mutig ist. Mut und Treue heißen im Buch, trotz der Angst weiterzugehen. Mehr will ich dazu nicht verraten.

Schreibstil und Wirkung

Die Sprache lebt von Bildern. Frost, Nebel, Glas, Sterne, Rosen im Schnee, das kommt in fast jedem Absatz vor, und in den besten Momenten ist es wirklich schön. Eine Szene, in der Frost am Fenster zu Blumen wächst, hat mir gefallen, weil sie genau das zeigt, was der Titel verspricht. Dazu kommen rund sieben ganzseitige Schwarzweiß-Illustrationen, ein Drache, der Turm, Wolapi und Kinga, ein paar Figuren im Wald, und eine Karte am Anfang. Sie geben dem Buch eine echte Handschrift, und ich habe ein paarmal zurückgeblättert, nur um sie länger anzuschauen. Beim Lesen musste ich mehrmals an Narnia denken, an den Löwen im Schnee und die verzauberte Winterwelt, obwohl die Geschichte eine ganz eigene ist.

Das Problem liegt im Erzählen. Der Text sagt, was passiert, und erklärt direkt danach, was es bedeutet. Ein Satz zeigt, wie jemand erschrickt, der nächste sagt, dass er erschrocken ist. Zeitsprünge werden mit fast gleichlautenden Formeln erledigt, die Jahre fließen dahin wie Wasser, dann wie Wind, dann wie Schnee. Ein kleiner Vorrat an Wörtern kehrt ständig wieder, Funke, Faden, Resonanz, Schatten, Flüstern, Preis, und auf manchen Seiten stehen sie mehrfach. Dazu kommt ein Muster, bei dem etwas nicht das eine ist, sondern das andere, und das so oft, dass ich anfing, auf die nächste Stelle zu warten.

Die Dialoge machen es nicht leichter. Fast alle sprechen in Sinnsprüchen, in kurzen, bedeutungsschweren Sätzen, die auf Wirkung zielen. Ganze Zeilen stehen in Versalien oder in Kursiv, Auslassungspunkte sind überall, und die Prophezeiungen kommen als Strophen in Reimen, einmal sogar als langer gereimter Fluch. Ich fand das in kleiner Dosis stimmungsvoll und über die Länge des Buches anstrengend, weil die Figuren dadurch alle gleich klingen.

Auch der Aufbau wiederholt sich. Die Prüfungen in der zweiten Hälfte folgen demselben Ablauf, jemand kommt an, eine Stimme spricht, es gibt eine Probe, im letzten Moment kommt Rettung, dazwischen schaltet die Handlung auf den anderen Strang um, und dort passiert dasselbe. Ich habe die Muster irgendwann erkannt und dadurch einiges an Spannung verloren. Ein strafferes Lektorat hätte hier viel geholfen. Tippfehler sind mir kaum aufgefallen, nur bei einem Ortsnamen schwankt die Schreibweise innerhalb des Buches.

Dabei wechselt die Erzählung ständig zwischen dem Süden, dem Norden und dem Turm, kurze Abschnitte, die jeweils mit einem Stimmungsbild enden. Das macht das Blättern leicht, und ich habe das Buch am besten in kleinen Portionen gelesen. Am Stück hat es sich bei mir abgenutzt, weil jede Szene gern mit einem bedeutungsvollen Satz endet, der einen Nachhall braucht.

Zur Stärke gehört, dass die späteren Kapitel flotter und klarer sind als der Anfang. Die Schauplätze wechseln schneller, die Gefahr ist greifbarer, und ich habe gegen Ende deutlich zügiger gelesen als in der Mitte.

Fazit

Das Geheimnis der Eisblumen ist ein atmosphärischer, bildreicher Fantasyauftakt, der sich genau da am wohlsten fühlt, wo er eine verschneite Welt mit Drachen, Löwen und Rosen im Frost zeichnet. Das Konzept ist solide, die Zweiteilung von Süd und Nord hat Charme, und mit den Illustrationen ist das Buch liebevoll gemacht. Ich habe es bis zum Ende gern gelesen, auch wenn ich zwischendurch mit den Augen gerollt habe.

Die Schwächen sind echt und behebbar. Zu viel Erklärtes statt Gezeigtes, zu oft derselbe Wortschatz, Dialoge, die alle nach demselben Mund klingen, ein Rhythmus aus Prüfungen, der sich durch Wiederholung selbst die Wirkung nimmt. Die Figuren sind meist Typen, und nur Morgana und ein paar Begleiter werden zu mehr. Neben anderen Büchern, die sich Dark Fantasy nennen, wirkt dieses ruhiger und märchenhafter, eher sanft als düster. Die Schatten stehen im Genre-Etikett, die Schärfe dazu fehlt noch.

Ich bin neugierig, wohin Band 2 geht, vor allem weil die Welt noch viel Platz hat. Die Vorschau am Ende macht Lust auf mehr, und ich würde den nächsten Band in die Hand nehmen, schon wegen der Illustrationen und weil ich wissen will, ob die Autorin ihre Figuren sprechen lernt. Mit einem ausgeprägteren Lektorat und etwas weniger Sinnsprüchen könnte die Reihe richtig gut werden. Für einen Selbstverlag ist der Auftakt ordentlich gemacht, und das Buch sieht dank der Bilder und der Karte deutlich liebevoller aus, als man bei diesem Preis erwarten würde.

Bewertung

Gesamtwertung: ★★★☆☆ (3/5)

Schreibstil: ★★☆☆☆ (2/5): sehr bildhaft und stimmungsvoll, aber stark erzählend statt zeigend, mit vielen Wiederholungen im Wortschatz und in den Satzmustern

Charaktere: ★★☆☆☆ (2/5): Morgana und ein paar Begleiter haben echtes Profil, die beiden Hauptfiguren bleiben typenhaft und klingen im Dialog sehr ähnlich

Weltenbau: ★★★☆☆ (3/5): klar gezeichnete Welt mit eigener Karte, Orten und Legenden und starken Bildern, die Regeln der Magie bleiben aber meist in Prophezeiungen und Andeutungen

Spice-Wertung: ☆☆☆☆☆ (0/5): kein sexueller Inhalt, die Romanze bleibt eine Verbindung im Hintergrund

Empfehlenswert für Leserinnen und Leser, die klassische High Fantasy mit Prophezeiungen, Drachen und sprechenden Tieren mögen, die eine Welt vor allem über Stimmung und Bilder erleben wollen und die ein illustriertes Fantasybuch für kalte Abende suchen. Wer Narnia oder die märchenhafteren Ecken der Fantasy liebt, dürfte hier etwas finden. Nicht die richtige Wahl, wenn du straffes Erzählen, Figuren mit eigener Stimme oder eine romantische Handlung mit Spice erwartest.

Triggerwarnungen: Das Buch führt keine auf.

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